01 Dezember, 2015

Hot Dezember News 2015

Die Vorweihnachtszeit ist traditionell die Zeit der Sampler, im November wurden an dieser Stelle einige Kompilationen vorgestellt. Hier noch ein gelungenes Exemplar aus Italien: "Bella Ciao" bezieht sich auf das gleichnamige Lied, das von den italienischen Partisanen im zweiten Weltkrieg gesungen wurde und sich danach zu einem Lied der anarchistischen, kommunistischen und sozialdemokratischen Bewegung entwickelte. "Bella Ciao" kommt freilich nur in zwei Versionen vor, es handelt sich also nicht um eine Anleihe an die einst sehr erfolgreichen "La Paloma"-Samplern. Vielmehr haben sich hier Musiker wie Riccardo Tesi, Elena Ledda, Alessio Lega und Gigi Biolcati zusammengetan und interpretieren ihre Versionen traditioneller italienischer canzoni. Schenkenswert.
Das gilt insbesondere für "If I Can Dream", die neue - ja! - CD von Elvis Presley, für den hier The Royal Philharmonic Orchestra aufspielt. Gassenhauer wie "It's now or never", "Fever" oder "Can't help falling in love with you" sind einfach nicht tot zu kriegen - egal was man zu Elvis' Stimme dazu produziert. Der König ist tot, es lebe der King. Für absolute Fans, Weihnachten eben.
Dem Wienerlied widmen sich Pfeffer und Konsorten auf ihrer Debüt-CD "Olle san glaech": War Roland Neuwirth ein Erneurer des Wienerliedes, so drehen Pfeffer und Konsorten die Schraube noch ein Stückchen weiter und versetzen das Genre mit ihrem ganz eigenen Zugang: Der sieht pfiffige Texte mit Genre-untypische Inhalten und mit Wienerlied-Themen (Tod, Wein) vor. So passt es, dass sich ein Lied mit dem gelben Wein, auch Bier genannt, auseinander setzt. Haaa-lll-oooo!!

Ebenfalls im Dialekt aber anderswo ist Karin Kienberger zuhause: Die Oberösterreicherin liefert auf "Wos Is Dei Liad" kleine Geschichten, ob erfunden oder wahr ist eigentlich egal, denn irgendwie ist für jeden etwas dabei. Da geht es um Beziehungen, um Trennungen, um die Frage, ob man sich verändert hat und den Vorschlag, dies doch bei einem Bier zu besprechen. Eine gemütliche, geradlinige Welt, musikalisch ist das Singer-Songwriting auf Piano-Basis und schon wieder ein guter Release aus Österreich - CD des Monats.


Ziemlich rockig kommt die neue CD von Clara Luzia daher, die Stücke überzeugen, doch der Zauber, den anderen CDs von Luzia zu erzeugen wussten, will sich nicht so recht einstellen. Trotzdem ein überzeugendes Nebenwerk in ihrem Schaffen.
Auf "Sounds Of Sinning" greifen Monophonics gehörig in die Vintage-Kiste. Die Songs sind gut und hätten vor 50 Jahren wohl die eine oder andere Chartplatzierung geschafft ("Strange Love"), doch Backfische gibt es nur mehr an der Frittenbude und so scheint die CD etwas aus der Zeit gefallen. Für Fans der 50er und 60-Jahre, die auch mal dramatische Untertöne und Nick Drake, Phil Ochs oder Rodríguez mögen eine Empfehlung.
Global Groove LAB liefern wie nicht anders zu vermuten war mit "I'am A Stranger" ein ordentlich groovendes Album ab. Die Grooves verweisen meist in Richtung Ost-Europa - Stichwort Gypsies -, doch auch Griechenland schimmert zuweilen durch. Das Global Groove LAB erschafft hier seinen eigenen Weltmusik-Groove. Die Musiker stammen u.a. aus Serbien, Griechenland, Russland, Nigeria und sind in Österreich verortet. Ab geht's!


Einfach Spaß macht die CD von La Ganga Callé, die auf "Cosquillas De Azotea" gehörig auf die Tube drücken und für Latino-Rhythmen sorgen, die in die Beine gehen. Die Band stammt aus Madrid, solche Eklektizismen werden auch Funk Calí, Salsa De Barrio, Rumba’n’Roll oder Fusión Flamenca genannt.

Keine weihnachtliche Lektüre, aber weil das Thema einfach wichtig ist, sei an dieser Stelle das gleichnamige Buch zum neuen Film von Kurt Langbein empfohlen: "Landraub" setzt sich - wie der Untertitel verrät - mit der globalen Jagd nach Ackerland auseinander. Denn Land ist eine knappe Ressource und seit der Finanzkrise zum Ziel von Spekulanten geworden. Wie im Film folgt der österreichische Journalist den Spuren des Landraubs um die ganze Welt. Ein aufrüttelndes, wichtiges Buch.
Nach dem wunderbaren Bluebird-Festival im Porgy & Bess Ende November - Giant Sand waren großartig, The Wave Pictues souverän und der Puertoricaner Gabriel Rios eine Entdeckung - geht es in Wien mit einem Konzert von Robert Forster am 20.12. im Akzenttheater in die Weihnachtspause. Feliz navidad! (jpl)

Elvis Presley with The Royal Philharmonic Orchestra: "If I Can Dream" (7/10)
Global Groove LAB: "I'am A Stranger" (7/10)
Karin Kienberger: "Wos Is Dei Liad" (9/10)
La Ganga Callé: "Cosquillas De Azotea" (8/10)
Kurt Langbein: "Landraub. Die Globale Jagd nach Ackerland" (9/10)
Clara Luzia: "Here To Nemesis" (7/10) Monophonics: "Sounds Of Sinning" (8/10)
Pfeffer und Konsorten: "Olle san glaech" (7/10)
VA: "Bella Ciao" (6/10)

Live: Von 4. bis 11.12.2015 läuft in Wien das Human Rights Film Festival, siehe: Programm
Fr 04.12.2015: Laura Rafetseder, WUK, Projektraum, Währinger Str. 59, 1090 Wien, 21h
Sa 05.12.2015: Magdalena Piatti, WUK, Projektraum, Währinger Str. 59, 1090 Wien, 21h
So 06.12.2015: The Wichita, WUK, Projektraum, Währinger Str. 59, 1090 Wien, 20h
Di 08.12.2015: Gottfried Gfrerer, Fromme Helene, Josefstädter Str. 21, 1080 Wien, 20h (Musikalischer Adventkalender)
Mi 09.12.2015: Ripoff Raskolnikov, Schwarzberg, Schwarzbergplatz 10, 1040 Wien, 20h
Fr 11.12.2015: Lassos Mariachis, Heureka, Skodagasse 17, 1080 Wien, 20h
Sa 12.12.2015 - So 13.12.2015: Design-Weihnachtsmarkt in Margareten, jew. 14-20h, Zentagasse 51, 1050 Wien
Sa 12.12.2015: DJ Rob71, Cafe Concerto, Lerchenfelder Gürtel 53, 1160 Wien, 21h
Sa 19.12.2015 - So 20.12.2015: Design-Weihnachtsmarkt in Margareten, jew. 14-20h, Zentagasse 51, 1050 Wien
So 20.12.2015: Robert Forster, Akzent Theater, 1040 Wien, 20h

03 November, 2015

Hot November News 2015

Robert Forster, der von The Go-Betweens, ist am 20. Dezember 2015 im Wiener Akzenttheater (19:30h) mit neuem Album zu Gast. "Songs To Play" nennt er die 10-Song-Sammlung lapidar, genauso kommen die Songs daher, einmal singt Forster "Schreib nichts auf twitter, lass mir dich einfach vorstellen". Und immer schimmert da zwischen den Noten die große Go-Betweens-Vergangenheit durch und das ist gut so! Forster bestätigt die alte Faustregel, dass gute Songwriter im Prinzip immer nur an einem Lied schreiben, das sie gekonnt variieren - auf der Suche nach dem Lied. Natürlich fehlt der viel zu früh verstorbene geniale Grant McLennan an allen Ecken und Enden, aber man kann ja zum Querhören zu den großen Platten von früher greifen, zu denen sich "Songs To Play" als gute Ergänzung wie von selbst empfiehlt.

Weihnachten rückt unnachgiebig näher, ein Geschenk könnte der Sampler "Schnitzelbeat Vol. 2", der wie schon Vol. 1 einen Ausflug in die österreichische Pop-Geschichte macht. Der Untertitel ist Programm und lautet: "Raw Teenage Beat And Garage Rock Anthems From Austria 1964-1970". Bands wie The Slaves, The Gamblers, The Rockets (vorweihnachtliche Grüße an Ronnie Urini!) oder The Meadows lassen es ordentlich rumpeln, nix vintage hier, sondern original. Originell allemal auch, denn die Bands gehen über das reine Nachstellen von musikalische Posen hinaus. Für Spätgeborene sowieso ein Pflichtalbum, damit nicht gar geglaubt wird, vor dem Austro-Pop hätte es hierzulande nichts gegeben. Lernt Geschichte!
Und lernt gleich weiter, denn der Sampler "Legendary Wild Rockers" ist - auch hier gibt es einen Untertitel - eine Sammlung rarer Rockabilly und Surf-Songs aus den 50ies und 60ies. Wie am Ösi-Sampler tragen die Bands aufs Nötigste reduzierte Namen wie The Raiders, The Dazzlers oder The Black Albinos. Auch die Floyd Dakil Combo lässt die Post abgehen und wer bei "Dance, Franny, Dance" nicht sofort mitsingt, kann mit ein paar Beach Boys wieder zum Üben anfangen oder die Schnauze halten und wenigstens die Füße kreisen lassen. Hoher Spaßfaktor!

Sehr lesenswert ist das neue Buch von Karim El-Gawhary und Mathilde Schwabeneder: "Auf der Flucht" versammelt eindrucksvolle Reportagen zum Thema Flucht. Aus den Fluchtregionen Syrien und Irak, wo Karim El-Gawhary Menschen in Flüchtlingslagern interviewt und von bewegenden Schicksalen erzählt. Etwa das einer jungen jessidischen Frau, die für 12 Euro an Krieger des Islamischen Staates verkauft wird und auf wundersame Weise aus der Gefangenschaft entkommt. Genauso erzählt das Buch über den Einsatz von zwei italienischen Ärzten vor der Küste Lampedusas oder vom oberösterreichischen Ort Großraming, in dem - nach anfänglicher Skepsis der Bevölkerung - das passiert, was historisch immer passiert, wenn Menschen ihre Heimat verlassen müssen und sich anderswo niederlassen: Die Ankunftsregion profitiert und fühlt sich bereichert. Reportagen, die einem zuweilen den Atem stocken lassen - unbedingt lesen.
Beim noch bis Mitte November laufenden Americanafest Wien ist am 8.10. Harry Marte mit Band im feinen local aufgetreten und hat dort mit bassiger Stimme feinste Americana-Songs vom Stapel gelassen, die man auf seiner CD "A Blue Line" praktischerweise nachhören kann. Go west, zumindest bis Vorarlberg. Martes aus den USA stammende und nun im Ländle lebende Background-Sängerin Beth Wimmer weiß mit ihrer CD "Ghosts & Men" zu überraschen und hoch zu punkten: Das Songwriting ist überdurchschnittlich und Wimmers Stimme klingt geheimnisvoll und strahlt Unergründlichkeit aus - ein Geheimtipp.
Sauberes Songwriting liefert Adam Douglas mit "I May Never Learn" ab: Angesiedelt zwischen Blues und Folk kann es auch mal rockig werden, Ohrwurmqualitäten inklusive. Eine charmant produzierte 12-Song-CD, die beim norwegischen Label Grappa erschienen ist und eine Empfehlung wert ist.
Noch ein Act des Americana-Festivals: Am 3. Oktober waren Conjunto San Antonio, im neuen Gürtellokal Kramladen zu sehen. Auf ihrer CD "The Best" ist beste Musik von der mexikanisch-texanischen Grenze nachhörbar. Etwas gleichförmig stellt sich die CD dar, aber die cabrones von Conjunto San Antonio spielen auch Augie Myers "Soy Chicano" und mit "El Corrido De Flaco Jiménez" eine Ode an den Säulenheiligen des Tex-Mex. Und wenn man sich das Booklet ansieht, auf dem die Burschen in schönster Cowboy-Manier posieren bzw. eine staubige Straße entlang gehen, dann braucht man sich um die estados unidos keine Sorgen machen, irgendwann werden sie wieder nach Mexiko heimgeholt und die Grenzstreitigkeiten - siehe San Antonio, siehe The Alamo - sind dann allemal beigelegt und gehen in eine corrida auf. Conjunto eben - miteinander!

Damit zu den CDs des Monats, die sich dem aktuellen Thema Flüchtlinge widmen: Der Sampler "Kein Mensch ist illegal" versammelt Bands wie Tocotronic, Die Goldenen Zitronen, Deichkind, Thees Uhlmann, Madsen, Herbert Grönemeyer oder Kante. Sie alle stellen ihre Lieder einer Doppel-CD zur Verfügung, deren Reinerlös zu 100% an Pro Asyl geht. Das österreichische Pendant dazu liegt mit dem Sampler "Melodies For Refugees" ebenfalls schon vor und auch hier gehen die Einnahmen zu 100% an ein Flüchtlingsprojekt (Helfen Wie Wir). Hier mit dabei u.a.: Bernhard Eder, Kommando Elefant, Ben Martin, David Lipp, Kreisky und Ex-Lassiter-Mastermind Christian Wirlitsch mit "Hey es reicht", kompiliert hat übrigens Bernhard Eder selbst. Einfach kaufen.
Kirsten Braten Berg stammt aus Norwegen und ist dort ein Star, bei uns kaum bekannt. Mit "Tonesvarm gjenoom 35 ar" liefert sie zu ihrem 35-Jahres-Bühnenjubiläum eine Doppel-CD ab, die Fans - und alle, die noch Fans werden wollen - beglücken wird und Lust darauf macht, ins Land der Mitternachtssonne zu reisen.

Am Donnerstag den 3. Dezember locken The Tiger Lillies ins Wiener Konzerthaus: Dort kommt es zur Symbiose von Film und Live-Musik. Beim Film handelt es sich um "Variete" von Ewald André Dupont aus dem Jahr 1925. Von 7. bis 22. November findet in Wien das KlezMore Festival an diversen Spielorten statt. Live u.a.: Kohelet 3, The Heart And The Wellspring, Wladigeroff Brothers & Yigal Altschuler (die aktuellen CDs der Wladigeroff Brothers seien an dieser Stelle empfohlen), Nigun u.v.a.m..
Und: Von 26. bis 28. November geht im Wiener Porgy & Bess wieder das Bluebird-Festival über die Bühne. Wie immer gibt es eine wunderbare Mischung aus internationalen und heimischen Acts zu hören. Dieses Mal mit dabei: Die Österreicher Bernhard Eder und Polkov, sowie Ariel Pink und Rhob Cunningham am Eröffnungstag. Weiters unter anderem: Giant Sand, The Wave Pictures, All the Luck in the World, Wild Promises sowie Villagers, Chloe Charles und Lola Marsh. Pflicht!

Kirsten Braten Berg: "Tonesvarm gjenoom 35 ar" (6/10)
Adam Douglas: "I May Never Learn" (7/10)
Conjunto San Antonio: "The Best" (6/10)
Karim El-Gawhary / Mathilde Schwabeneder: "Auf der Flucht" (10/10)
Robert Forster: "Songs To Play" (8/10)
Harry Marte: "A Blue Line" (7/10)
VA: "Schnitzelbeat Vol. 2" (8/10)
VA: "Legendary Wild Rockers" (8/10)
VA: "Kein Mensch ist illegal" (10/10)
VA: "Melodies For Refugees" (10/10)
Beth Wimmer: "Ghosts & Men" (7/10)

Live:
Di 3.11.2015: Bela Fleck, Porgy & Bess, Riemergasse 11, 1010 Wien, 20:30h
Fr 6.11.2015: Pfeffer & Konsorten: CD-Präsentation, Café am Heumarkt, Wien, 19.30 Uhr
Sa 7.11.2015: 1. Acoustic Country Night, Bühne Freiraum, Herzogenburger Straße 12, 3100 Sankt Pölten, Österreich, 20h
Sa 7.11.- Do 22.11.2015: KlezMore Festival, siehe: KlezMore 2015
Mi 11.11.2015: Local: Zugabe und Abschlußfest: David S. Ingleton (AUS): Singer/Songwriter/Americana, MRS. SIPI (A/UK)
Do 12.11.2015: Gemischter Satz Weinbar: David S. Ingleton (AUS): Singer/Songwriter/Americana; Eintritt: 10
Mi 18.11.2015: Kabarett mit Linhart und Bauernfeind - “DURSCHT UND NÜCHTERN”, 20h, Spektakel, Hamburgerstrasse 14, 1050 Wien
Do 19.11.2015: Wohnzimmer Records Label Nights, Part II, Kreisky, The Boys You Know, Chelsea, 1080 Wien, 21h
Do 26.11.-Sa 28.11.2015: Bluebird-Festival, Porgy & Bess, Riemergasse 11, 1010 Wien, u.a. mit Bernhard Eder, Giant Sand, Beginn: 19:30h, siehe: Blue Bird 2015
Fr 27.11.2015: Satuo, Sudwerk, Bozen, 20h
Sa 28.11.2015: Satuo, OstWest, Meran, 20h
Do 03.12.2015: The Tiger Lillies, Konzerthaus, 19:30h

01 Oktober, 2015

Hot Oktober News 2015

Nikki Forova ist in einer Schauspieler-Familie in der U.d.S.S.R. aufgewachsen, über die U.S.A. hat es sie in die Schweiz verschlagen, von dort aus agiert sie nunmehr. Forova hat ihre Tori Amos gehört und so gelingt ihr auch eine Songperle wie "Raising The Blood", insgesamt Indie-Pop-Musik internationalen Formats. Zurecht spricht die Presseinfo in Zusammenhang mit dem neuen Album "White Dandalions" von Wohlklang und Harmonie, die Songs sind gut, somit wäre die Basis für eine weltumspannende Karriere gelegt. Bis Mitte Dezember ist Forova noch in Deutschland und der Schweiz unterwegs. Not to be missed - oder: CD des Monats! Der Norweger Jan Eggum ist in seinem Land ein Star, hierzulande eher unbekannt. "Rio" nennt er seine neue CD und er lässt sich darauf von allerlei Latino-Einflüssen leiten, auch wenn er in norwegischer Sprache singt. Fein arrangiert, kommt jedes Lied ein bisschen anders daher. Doch der Swing-Faktor passt, die Leichtigkeit stimmt; auch wenn man kein Wort versteht, funktioniert diese Musik gut.
Pablo Milanés y José María Vitier haben sich für diese CD zusammengetan, der eine (Milanés) interpretiert Lieder des anderen (Vitier). Die Texte stammen dabei von diversen Autoren, von Vitier selbst bis Silvio Rodriguez Rivero aus Kuba und dem Befreiungstheologen Ernesto Cardenal. Milanés & Vitier haben sich mit dieser CD einen lange gehegten Traum erfüllt, wie sie in den Linernotes schreiben. Musikalisch handelt es sich um latinesk beeinflusst Klaviermusik, Schubert meets Cuba sozusagen. Muy bien, amigos!
Die Band der Stunde aus österreichischer Sicht ist Wiener Blond: Nach dem zweiten Platz beim FM4-Protestsongcontest 2015 hat die Band heuer eine fulminante Debüt-CD vorgelegt. "Der letzte Kaiser" versammelt alle Stärken der Band: Kluge und lustige Texte und Melodien, die zwischen Wiener Lied und Rap wechseln. Live funktioniert das mittels Looper auch perfekt, unbedingt ein Konzert anschauen!
Anschauen sollte man sich auch den Kino-Überraschungsfilm dieses Herbstes: "Sommer in Wien" ist eine 'Dokomödie', wie dessen Protagonisten sagen: Der Film ist ein unterhaltsames, kaleidoskopartiges Portrait Wiens. Den dazu passenden Soundtrack liefert Der Machatschek ab, die Lieder sind am Punkt und als Soundtrack auf CD erschienen. Der Band zufolge wurde das Stück "Welcome To Vienna" in Fiaker-Englisch gesungen - das ist ungelenkes Englisch mit Wiener Akzent - dokomödisch.

Neue Single auf Lindo Rec.: MPGP

MPGP, das sind Gustavo Petek und Magdalena Piatti. Sie präsentieren ihre neue Single "Was kommt" am 23.10. im Concerto, hier ist das Video:

Neue Bücher zu Sklaverei und zur Soldatin Viktoria Savs

Frank Gebert hat im Verlag Kremayr & Scheriau das umfangreiche Buch "Die Kriege der Viktoria Savs" veröffentlicht: Savs, die aus heutiger Sicht wohl transgender oder zumindest androgyn wäre, durchläuft in ihrem Leben eine Radikalisierung, zunächst kämpft sie als Frontsoldatin bei den Drei Zinnen in den Dolomiten. Nach ihrer Verwundung bekommt sie vom sich im politischen Aufstieg befindlichen Hitler ein Holzbein geschenkt. Es verschlägt sie in der Zwischenkriegszeit nach Österreich, sie tritt der NSDAP bei und wird - so der Untertitel von Geberts Buch - "zu Hitlers Gehilfin". Ein ungewöhnliches, gut recherchiertes Buch, das eine Nebenfigur der Weltkriege zeigt, wegen der am Beispiel der Viktoria Sav aufgezeigten Radikalisierung ist das Buch historisch und hochaktuell zugleich.

Lesenswert ist das Buch "Sklavenkind. Verkauft, verschleppt, vergessen - Mein Kampf für Nepals Töchter" von Urmila Chaudhary, in dem sie von ihrem eigenen Schicksal als Arbeitssklavin in Nepal erzählt: Weil ihre Familie Schulden hat, wird sie mit 6 Jahren von ihrem Bruder für rund 40 Euro verkauft. Es folgen 11 Jahre Sklaverei in 2 Haushalten in Kathmandu. Sie wird schlecht behandelt, bekommt oft nur Reste zu essen, muss von morgens bis spätabends arbeiten, am Boden in der Küche oder im Keller schlafen. Der beim Verkauf versprochene Schulbesuch wird nie eingelöst. Doch von Jahr zu Jahr wird die junge Frau selbstsicherer, stellt das Sklavensystem in Frage und befreit sich schließlich daraus. Sie wird die Sprecherin einer NGO, die gegen Versklavung ankämpft. Das Buch im Verlag Knaur erschienene von Urmila Chaudhary zeigt, dass hauptsächlich Frauen und Mädchen in Nepal vom Menschenhandel betroffen sind. Tausende werden jedes Jahr verkauft und verschleppt, oft landen sie als Zwangsprostituierte in indischen Bordellen oder sie werden als Arbeitssklavinnen in die Golfstaaten oder nach Malaysia weiterverkauft – auch dort werden die Opfer von Menschenhandel häufig sexuell ausgebeutet.

Americanafest bis 12.11. in Wien, Georg Bauernfeind in Baden bei Wien

Vor kurzem war die Schweizer Band Songs From Utopia zum ersten Mal in Österreich zu Gast und hat dabei ein gut getimetes Konzert abgeliefert: Was live als Duo-Show (Schlagzeug, Gitarre, Gesang) hervorragend funktioniert, ist auf der CD "Shivering" um einen Bassisten erweitert, der auch mal Orgel spielt. Das führt zu ebenso überzeugenden Ergebnissen, weil die von Sängerin und Gitarristin Rebekka Zarkava komponierten Songs gut sind und eine eigene Welt erschaffen - vielleicht ein Utopia. Wieder live in Wien am 23.10.2015 im Cafe Concerto!
Noch bis Mitte November läuft in Wien das Americanafest 2015, das von Jason Eady und Courtney Patton im Schwarzberg - mit Teilen der New Blue Mountain Group als support - eröffnet worden ist. Eady liefert auf seiner aktuellen CD "Daylight Dark" wunderbare Country-Music, die laid back daher kommt und ein friedvolles Amerika imaginiert. Seine Frau Courtney Patton ist ebenfalls mit von der Partie, ihre aktuelle CD "So This Is Life" ist irgendwo zwischen Indigo Girls und Gillian Welch angesiedelt und empfiehlt sich für Querhörer. Am 16. Oktober ist der wunderbare Songwriter Eric Taylor im Rahmen des Americanafests 2015 in Wien im Schwarzberg, das ist der ehemalige Ost-Klub, zu Gast. Hingehen!
Interessantes trudelt in Kürze aus dem Hause konkord ein: Der Sampler "Schnitzelbeat Vol. 2 - You Are The Only One", der als historisch zu bezeichnende Pop-Rock-Musik aus Österreich versammelt. Unter anderem mit dabei und somit wieder zu entdecken sind die Bands wie The Rockets, The Boys oder The Gamblers. Eine Review folgt noch vor Weihnachten an dieser Stelle.
Weiter auf Tour ist der Musikkabarettist Georg Bauernfeind, am 3. Oktober tritt er in Vorchdorf auf, am 8. Oktober steht Bauernfeind in Baden bei Wien auf der Bühne. (jpl)

Urmila Chaudhary: "Sklavenkind. Verkauft, verschleppt, vergessen - Mein Kampf für Nepals Töchter" (8/10)
Jason Eady: "Daylight Dark" (8/10)
Jan Eggum: "Rio" (8/10)
Nikki Forova: "White Dandelions" (10/10)
Frank Gebert: "Die Kriege der Viktoria Savs" (7/10)
Der Machatschek: "Sommer in Wien" (OST, 7/10)
Pablo Milanés y José María Vitier: "Canción de Otono" (7/10)
Courtney Patton: "So This Is Life" (8/10)
Songs From Utopia: "Shivering" (8/10)
VA: "Schnitzelbeat Vol. 2" (oW)
Wiener Blond: "Der letzte Kaiser" (9/10)

Live:
Do 01.10.2015 Americanafest, FLUC, Praterstern, 21h: PETER, PAUL & BARRY (A/IRL) Bluegrass/Folk, 6’10 (USA)
Do 08.10.2015: Americanafest, The Wichita, local, Heiligenstädter Str. 31, 1190 Wien, 21h
Do 08.10.2015: Georg Bauernfeind, Baden, 20h, alle Termine: www.georg-bauernfeind.at
Do 15.10.2015: Schneida, Original Stiefelbein Bluhs Bänd, local, Heiligenstädter Str. 31, 1190 Wien, 21h
Fr 23.10.2015: Labelnight 2015: Novi Sad, Songs From Utopia, Concerto , Lerchenfelder Gürtel 53, 1160 Wien, 21h, anschließend DJ-Line
Mo 02.11.2015: Cassandra Wilson, Konzerthaus Wien, Gr. Saal, 19:30h
Di 03.11.2015: Béla Fleck & Abigail Washburn Duo, Porgy & Bess, Riemergasse 11, 1010 Wien, 20:30h
Bis 12.11.2015: Americana Fest an verschiedenen Locations in Wien, alle Programmpunkte: www.americanafestwien.at
Do 25.11.2015: Nikki Forova, The Raven, Straubing, 20h
Do 3.12.2015: Tiger Lillies, Konzerthaus Wien, 19:30h

30 September, 2015

Lindo Labelnight 2015: Novi Sad, MPGP, Songs From Utopia

Gleich drei Bands treten im Rahmen der Lindo Labelnight 2015 auf: Novi Sad, MPGP, Songs From Utopia (CH). Ganz neu: MPGP präsentieren an diesem Abend ihre erste Single "Was kommt".




Songs From Utopia (CH)
Mit markanter Stimme und hypnotisierendem Gitarrenspiel fasziniert die Singer-Songwriterin Rebekka Zarkava: Komplexe Akkordstrukturen werden mit gothisch-romantischen Texten kombiniert. Die Lieder erzählen märchenhafte Geschichten á la Oscar Wilde. Jura Dolezal interpunktiert und webt die Songs mit Jazz-Punk-Rock Rhythmen zusammen, welche mal Bebop und dann wieder „Rock trifft auf Buddy Rich“ sind. Oft spielt er sein Schlagzeug mit den Händen. Zusammen wandern Songs from Utopia tief in ein raues und weit entferntes Tal und suchen ‘‘over hills, beyond lakes, engulfed in rivers in the depth of the ocean, up in the clouds in red, in blue.’’

MPGP
Zunächst war die Idee da ein Elektropop-Projekt zu starten: Die Sängerin Magdalena Piatti und der Gitarrist und Elektronikmusiker Gustavo Petek vereinen im Lied „Was kommt“ die verspielte Musik Peteks und einen poetischen Text Piattis. Gustavo Petek stammt aus Argentinien und agiert wie Magdalena Piatti von Wien aus. An diesem Abend präsentieren MPGP ihre aktuelle Single „Was kommt“?

Novi Sad
„Diese Band ist neugierig, aufmüpfig, vielseitig, spannend. Und das soll sie bitte auch bleiben“, schreibt der ORF-Musikjournalist Klaus Totzler im Buch zur Best-Of-CD von Novi Sad, die im Jahr 2012 erschienen ist. Als hätte sie sich diesen Satz zur Überschrift für die neue CD gemacht, beweist Novi Sad mit „Almond Trees & Roses“, dass man auch nach 23 Jahren des Musikmachens noch frisch und wie neu klingen kann.

>> www.lindo.at

03 September, 2015

Hot September News 2015

Die neue von Ernesty International: Schon beim Auftritt im Sommer im WUK haben sich die MusikerInnen in wunderbarer Spiellaune präsentiert. Jetzt wird klar, warum: Hier versucht eine gestandene Band nichts weniger als ihr Meisterstück abzuliefern - und dieser Versuch gelingt. Das Songwriting hat bei dieser Combo schon immer gepasst, aber jetzt scheint die Intensität gesteigert, die Songs mäandern auch mal und sind nicht immer sofort verständlich. Das macht die Sache geheimnis- und reizvoll. Der nächste Karriereschritt ist fällig: CD des Monats.

Keinen Käse machen Gauda Grimm: Die Band mit Vorarlberger Hintergrund hat die Songwriterin Dietlind Höfle im Zentrum. Eher wie im Märchen machen Gauda Grimm alles richtig, meist weisen die Stücke in Richtung Singer-Songwriting, Jazz-Einflüsse dürfen sein - und auch in Vorarlberger Dialekt wird mal gesungen. Für jeden CD-Kauf bedankt sich die Band höflich am Inlay - dadurch wäre u.U. eine weitere CD-Produktion möglich. Hoffentlich! Anspieltipp: Like A Tree.
Musikalisch durchaus ähnlich sind Feline & Strange unterwegs, wenngleich sich die Berliner Formation um Frontfrau Feline Lang eher an die dunklen Seiten der Welt heranwagt: Da geht es auch mal um Werwölfe, schwarze Löcher und Aliens. Stücke wie "Under Water" oder "Stop Asking" vermögen durchaus hypnotische Wirkung zu erzielen. Wäre die Stimme etwas schriller, würde man an Klaus Nomi denken und das wäre nicht die schlechteste Referenz. Die Presseinfo spricht richtigerweise von Kammer-Pop und Dark Cabaret, zu erwähnen ist die tolle Verpackung, die so genannte Jakebox präsentiert die CD nach dem Aufklappen der Hülle wie am Präsentierteller. I like.
Lura ist der Star der aktuellen kapverdischen Szene, folgerichtig eröffnet sie "Kanta Cabo Verde", diese Sammlung aktueller Musik von den Atlantik-Inseln: Außerdem mit dabei sind Zé Luis, Teofilo Chantre, Bau, Bulimundo, um nur einige zu nennen. Jennifer Solidade beschließt den Sampler mit dem verspielten Stück "Largam Da Mon". Sie alle treten schön langsam aus dem übergroßen Schatten von Cesária Évora heraus - und das ist gut so. Denn die Qualität stimmt und so darf man sich auf die weiteren Werke dieser MusikerInnen-Generation freuen.
Damit gleich zur aktuellen Solo-CD von Elida Almeida, die ebenfalls am "Kanta Cabo Verde"-Sampler vertreten ist: Ihr Debüt-Album "Ora Doci Ora Marcos" - der Titel bedeutet soviel wie "Schöne Zeiten, schlechte Zeiten" - ist im Dezember 2014 auf den Kapverdischen Inseln erschienen und hat dort eingeschlagen. Daher kommt es jetzt auch zu uns und es zeigt einen 22jährige Sängerin, die in einfühlsamen ihre nicht immer leichte Kindheit reflektiert. Nach dem Tod des Vaters hat die Mutter als Straßenverkäuferin gearbeitet und ist mit der kleinen Elida von Santiago nach Maio umgesiedelt. Die beginnt zu singen und schreibt bald eigene Songs. Nun liegt ein Tonträger vor: Er enthält kluge Popmusik mit Ethno-Touch, da sie auch die Musik der Inseln - batuque, morna und funana - die auch bei uns ihre Fans finden wird. Vor einigen Monaten ist die CD auch in Europa erschienen, ergänzt um Almeidas neue Single "Joana", ein eingängiger Ohrwurm.

Sehr empfehlenswert ist das neue Buch von Patrick Deville: In "Kampuchea" spinnt der französische Autor lose Fäden der Geschichte Indochinas zu einem beeindruckenden, spannenden Gesamtbild. Der Roman oszilliert zwischen der Entdeckung von Angkor Wat und dem Kriegsverbrecher-Prozess gegen den Roten Khmer Duch in Phnom Phen.

Als Parallel-Lektüre zu "Kampuchea" ist das Buch "Kurze Begegnungen mit Che Guevara" von Ben Fountain geeignet: Fountain schickt seine Figuren zu Brennpunkten dieser Welt, zum Beispiel nach Kolumbien, Haiti oder nach Burma. Die wunderbare Kunst dieser Erzählungen besteht darin, dass Fountain auf die eigentlichen Themen, etwa die Guerilla- und Drogenproblematik in Kolumbien über Umwege zu sprechen kommt. In der Erzählung "Aussterbende Vogelarten der Zentralkordilleren" wird ein Vogelkundler von einer Guerilla-Truppe festgehalten. In der Region leben auch seltene Vogelarten und so wird der Vogelkundler ebenfalls zu einer seltenen Spezie. In Burma lässt er einen abgehalfterten amerikanischen Golf-Profi am staatlichen Golfclub Unterricht erteilen, der Sportler wird dabei nach und nach in wirtschaftliche und politische Machenschaften verstrickt. All das erzählt Fountain ironisch, genau am Punkt und dennoch beiläufig, ohne den Zeigefinger zu erheben. "Jede seiner Erzählungen ist so eindrücklich wie ein Roman", hat die New York Times völlig zu Recht über dieses Buch geschrieben - absolute Empfehlung.

Am 10. September beginnt in Wien das zweite Americana-Fest - bis 12. November stehen 25 Konzerte am Plan, bespielt werden diverse Locations, von fluc, local und Reigen bis zur Sargfabrik und der Weinbar Gemischter Satz. Am 24. September treten beispielsweise Christian Masser und Christian Wirlitsch im fluc auf.
Schon ab Samstag den 19. September ist der Musik-Kabarettist Georg Bauernfeind mit neuem Programm und neuer CD auf Tour: Los geht es am Samstag den 19.9. in Linz, weiter im Spektakel in Wien am Mittwoch den 23.9., weitere Termine gibt es im Oktober, dabei präsentiert Bauernfeind seine aktuelle CD "Vorsorgelieder & Zukunftsmusik", die am 18.9. digital released wird.

Elida Almeida: "Ora Doci Ora Marcos" (8/10)
Ernesty International: "Whatever and Ever" (9/10)
Feline & Strange: "Lies" (7/10)
Ben Fountain: "Kurze Begegnungen mit Che Guevara" (9/10)
Gauda Grimm: "Room For Your Head" (8/10)
Patrick Deville: "Kampuchea" (9/10)
VA: "Kanta Cabo Verde" (8/10)

Live:

Fr 04.09.2015: Mitch Walking Elk, Fromme Helene, Josefstädter Str. 15, 1080 Wien, 20h
Mo 28.09.2015: Carminho, Theater am Spittelberg, 19:30h, 1070 Wien

Do 10.9.2015 - Mi 12.11.2015: 2. Americana-Fest Wien, Programm: www.americanafestwien.at

Georg Bauernfeind on Tour:
Sa 19.9. Linz (Tabakfabrik) 17:45h
Mi 23.9. Wien (Spektakel) 20h
alle Termine: www.georg-bauernfeind.at


Weitere Termine auf: www.lindo.at/term.html

24 August, 2015

Vorsorgelieder & Zukunftsmusik - Kabarettist Georg Bauernfeind präsentiert CD

“Vorsorgelieder & Zukunftsmusik” nennt der Musik-Kabarettist Georg Bauernfeind seine aktuelle CD: Die 10 Lieder setzen sich mit Themen wie den internationalen Finanzmärkten (“Moneymaker”) und dem Traum vom Lotto-Gewinn (“Lotto-Totto-Otto”) auseinander. Augenzwinkernd und mit feinem Humor nimmt Bauernfeind den Zuhörer mit in den EZA-Laden („Weltladenjunkie“): „Ich brauch noch ganz viel Kardamon und Bioschokolade/ Und Mangosirup literweise, weil ich darin bade.“ Oder er ist in „Radfahrer in Wien“ gleichsam als Cowboy unterwegs: „In meiner engen Hose bin ich superfesch/ Im Mund die Zigarette, im I-Pod Johnny Cash“.

Programm „Mit‘n letzten Geld“

Live integriert Georg Bauernfeind seine Lieder in verschiedene Musik-Kabarett-Programme. Das auf der CD enthaltene Stück „Mit‘n letzten Geld“ ist gleichzeitig der Titel seines aktuellen Programmes. Alle Lieder wurden von Bauernfeind getextet und komponiert, die Geschichten warten immer wieder mit überraschenden Bildern auf. Musikalisch reicht die Bandbreite von Chanson bis Country („Radfahrer in Wien“), die Produktion wurde vom Gitarristen Bernhard Krinner mit Liebe zum Detail umgesetzt.

Ab 18. September 2015 digital

Georg Bauernfeind ist seit 20 Jahren auf den Kleinkunstbühnen Österreichs unterwegs. Er spielte zuletzt gemeinsam mit Manfred Linhart das Erfolgskabarett WURSCHT UND WICHTIG (über 130 Auftritte) und präsentierte 2015 das Nachfolgeprojekt DURSCHT UND NÜCHTERN. Mit seiner aktuellen CD Vorsorgelieder und Zukunftsmusik schaffte er es auch in die Wertung der Deutschen Liederbestenliste. “Vorsorgelieder & Zukunftsmusik” erscheint am 18. September 2015 als Digital-Release. Fazit: Diese Musik eignet sich für alle, die niveauvoll unterhalten werden möchten.

Georg Bauernfeind on Tour, Kabarett und CD-Präsentation:
Sa 19.9.2015: Linz, WELTENBUMMELN, im Rahmen der Wear Fair, 17.45 Uhr, Tabakfabrik Linz, Peter-Behrens-Platz 15, 4020 Linz
Mi 23.9.2015: Wien, MITN LETZTN GELD, 20h Spektakel, Hamburgerstraße 15, 1040 Wien
Sa 03.10.2015: Vorchdorf, WELTENBUMMELN, für Weltladen Vorchdorf, 19:00 Uhr, Pfarrsaal, Schloßplatz 2, 4655 Vorchdorf
Do 08.10.2015: Baden, MITN LETZTN GELD, für Weltladen Baden, 19:00 Volksbank Baden, Hauptplatz 9 - 13, 2500 Baden

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04 August, 2015

Satuo, CD-Präsentation am 13.8.2015 im WUK

"Finnische Volkslieder, Melodien aus dem Balkanraum, Stücke von Tom Waits, Banjo, eine singende Säge und sogar ein wenig Elektronik wird auf der gleichnamigen Platte zu einem außergewöhnlichen Hörerlebnis", schreibt der haubentaucher


„Bei Satuo mischen wir Pop, Jazz, Blues, Folk und Singer-Songwriting miteinander“, sagt die Sängerin Laura Korhonen, die in Wien bei Ines Reiger Jazzgesang studiert hat. Hier hat Korhonen gemeinsam mit dem klassischen Konzertgitarrist Aron Saringer die Band Satuo im Jahr 2011 gegründet. Der Bandname ist von „Satu“ abgeleitet, dem finnischen Wort für Märchen. Laura Korhonen bringt finnische Volkslieder in die Band ein, denen sich Satuo entspannt ohne jedes Denkverbot nähert – auch bei Auftritten in Finnland. Da werden Volkslieder schon mal viel zu schnell gespielt oder stilistisch in Richtung Balkan interpretiert. Zu dem Duo ist 2014 der Südtiroler Gitarrist und Banjo-Spieler Fabian Baumgartner gestoßen, live sind Satuo heute zu fünft unterwegs. 7 eigene Stücke und 5 Covers versammeln Satuo auf der gleichnamigen Debüt-CD, unter anderem „Chocolate Jesus“ von Tom Waits. Aron Saringer: „Die Stücke von Tom Waits sind nicht immer gerade, oft ist die Form ganz ungewöhnlich und klingt trotzdem organisch und natürlich – Tom Waits klingt immer wie Tom Waits – das interessiert mich.“ Als weitere Inspirationsquellen nennt Saringer Bob Dylan und Leonard Cohen.

Tiefgründig und humorvoll

Doch Satuo haben ihren eigenen Sound gefunden, die ungewöhnliche Instrumentierung verknüpft etwa Banjo mit Melodika und einer singenden Säge. Die Texte sind tiefgründig und humorvoll, die Liedauswahl mitunter politisch. So findet sich auch das Stück „Moorsoldaten“, das von KZ-Häftlingen komponiert worden ist. Dieses historische Lied ist gleichzeitig hochaktuell: „Es gibt in der Welt noch immer Arbeitslager und vielleicht ist es deshalb auch nicht schwierig das Lied wirklich zu verstehen“, sagt Laura Korhonen und ergänzt: „Ich habe das Gefühl, dass immer jemand weint, wenn wir das Lied live spielen.“

Satuo live:
Do 13.08.2015: CD-Präsentation, WUK, Währinger Str. 59, 1090 Wien, 20:30h
Mi 19.08.2015: Smaragd, Linz
Do 20.08.2015: Black Horse Inn, Wels
Fr 21.08.2015: SUB, Salzburg
Sa 29.08.2015: Weberknecht, Gürtelnightwalk / Wien

29 Juli, 2015

The Neatpickers im WUK (29.07.2015)

„Das Leben ist oft unvorhersehbar, hart und manchmal gemein, aber solange wir dieses Brennen in unseren Herzen verspüren, dieses Fieber, müssen wir unsere Seele in unserer Musik offenbaren“, sagen The Neatpickers. Die Band zeigt eine breite Palette an musikalischen Stilrichtungen, immer getragen vom charakteristischen zweistimmigen Leadgesang. Düster-schöne Melancholie, untermalt von klagenden Streichern und zarten Gitarren, wechseln einander mit rotzig-rockigen Riffs ab. „Wiener Sextett, das sich mit bemerkenswerten Resultaten an klassischen Americana-Vorlagen abarbeitet“. (falter)

Der gemeinsame Nenner zwischen Wien und der nordamerikanischen Pampa könnten die sechs Neatpickers mit ihrer zweiten CD werden, zumal ihr Debüt in heimischen Medien sehr wohlwollend aufgenommen wurde. Bandleader Bruno Geissmann hat selbst einige Jahre in Tennessee verbracht und weiß, wovon er singt. Die 13 Songs stammen allesamt aus seiner Feder und werden zumeist zweistimmig vorgetragen. Dazu gibt es die üblichen Verdächtigen (Gitarre, Drums, Bass) plus Violine. Die CD beginnt sanft, fast verhalten, nimmt aber im Verlauf an Tempo und Kraft zu, mündet zuweilen sogar in deutliche Anklänge an Polka und Tango. (haubentaucher)

presented by www.mica.at

WUK Platzkonzert: The Neatpickers, Mi 29.07.2015, WUK Währinger Str. 59, 1090 Wien, 20:30h, Eintritt frei.

Weiters diese Woche bei den WUK Platzkonzerten:
Do 30.07.2015: Markus Schlesinger
Fr 31.07.2015: Songs From Utopia (CH)
Im Nomadenkulturzelt, Sa 01.08.2015: Lassos Mariachis, 20h (Benefiz)

10 Juli, 2015

Hot Juli News 2015

Musik aus der Wüste, zwei Autostunden östlich von Los Angeles: Joe "City" Garcia, der vor kurzem mit Son Of The Velvet Rat in Europa auf Tour war, liefert als "Urban Desert Blues" tolles Songwriting, das von wunderbaren Instrumentalisten getragen wird und mit Liebe zum Detail produziert worden ist. Marke: Desert Folk-Blues. Hier hätte einer - mit entsprechendem Hype im Hintergrund - durchaus weltweit Menschen begeistern können. Vielleicht wird's ja noch! Entspannt macht der 64jährige Garcia heute einfach das, was er mit Unterbrechungen sein Leben lang gemacht hat: Er schreibt Songs und spielt live. Zu einem Gastauftritt kommt es bei den Tracks "Valley Of Dry Bones" und "Mia": Darin tauchen Georg Altziebler und Heike Binder, die Köpfe von Son Of The Velvet Rat, auf - CD des Monats!

Es gibt Bands, die man einfach mag: Modest Mouse! Zeit haben sie sich gelassen, nach 8 Jahren endlich etwas Neues: Und sie liefern Pop-Musik auf hohem Niveau. Produziert mit Liebe zum Detail und dem gewohnt guten Händchen für die zwingende Melodie. Schon jetzt ein Klassiker, der es auf Platz 3 der US-Charts geschafft hat!
Apropos Charts, eine neue CD aus Afrika: Bassekou Kouyate & Ngoni Ba haben mit ihrer CD "Ba Power" sogar Platz 1 der Worldmusic-Charts in Europa erreicht! Die Produktion verwendet einerseits traditionelle afrikanische Instrumente, andererseits ist oft eine E-Gitarre zu hören, die das Teil zum Rocken bringt, insgesamt wird ordentlich Dampf gemacht. Doch Bassekou Kouyate & Ngoni Ba verstehen sich auch auf ruhigere Töne - gelungene Produktion.

Weltmusik aus Spanien: Eliseo Parra spielt auf "El Man Sur" hauptsächlich spanische Traditionals. Zum anderen interpretiert er Texte von Lope de Vega und von Federico García Lorca ("Eros con bastón"), dem größten spanischen Dichter. Mandolinen und Gitarren kommen hier genauso zum Einsatz wie Bajo, Violine und Händeklatschen. Manchmal klingt es nach Flamenco, manchmal nach Lateinamerika, zuweilen nach der Zeit, in der Spanien unter maurischem Einfluss stand. Die CD wird vom tradicional "Guajiras de Turre", einem Stück aus Almeria beschlossen, das sich zum Höhepunkt mausert, weil es irgendwie nach Fado und Ostereuropa zugleich klingt: Auf die Musik Almerias ist Eliseo Parra von einem Freund aufmerksam gemacht worden. Sehr feine CD, die nach Sommer und Ferien verlangt und es ebenso verdienen würde, in die Top Ten der Worldmusic-Charts zu gelangen.
Selten bekommt man Musik aus Norwegen zu hören, es ist zu vermuten, dass einem regelmäßig so schöne CDs wie jene von Elin Furubotn durch die Lappen gehen: "A Naerme Seg Det Naere" ist ein bezauberndes Werk, das gemeinsam mit dem Symphonie-Orchester von Stavanger eingespielt worden ist, Furubotn selbst spielt Gitarre und singt und alle Stücke stammen von ihr. Die Sängerin mit der klaren Stimme liefert somit ein überzeugendes Album ab - Empfehlung!
Die Wiener Combo Er ist tot, Jim liefert auf ihrer aktuellen CD "Wir lassen uns gehen" souverän gemachte Pop-Rockmusik mit guten deutschsprachigen Texten, bei denen auch mal mit Augenzwinkern agiert wird. Eines der Stücke ("Revolte") hat die Band heuer bis ins Finale des Protestsongcontests im Wiener Rabenhof gespült.

Unter dem Titel "Vintage France" versammelt Putumayo klassische französische Chansons aus den 1950er und 1960er Jahren, die von legendären Interpreten wie Juliette Greco oder von aktuellen Artists wie Madeleine Peyroux interpretiert werden. Die Akkordeons wiegen sich im Takt und mühelos entstehen Bilder von Paris vor den Augen. Zum Quersehen könnte Woody Allens Film "Midnight in Paris" dienen, in dem sich die Hauptfigur noch weiter zurück - nämlich bis in die 1920er Jahre - beamt. (jpl)



Er ist tot, Jim: "Wir lassen uns gehen" (7/10)
Bassekou Kouyate & Ngoni Ba: "Ba Power" (7/10)
Elin Furubotn: "A Naerme Seg Det Naere" (8/10)
Modest Mouse: "Strange To Ourselves" (8/10)
Eliseo Parra: "El Man Sur" (9/10)
Urban Desert Blues: "Sometimes The Angels" (10/10)
VA: "Vintage France" (8/10)

Live-Tipps:
Mi 15.07.2015 - Fr 14.08.2015: WUK Platzkonzerte, jew. 20:30h, WUK, Währinger Str. 59, 1090 Wien (u.a. mit The Neatpickers 29.07., Satuo 13.08 (CD-Präsentation). Thomas A. Beck 15.08.)
Sa 25.07.2015: Schneida: 20:30h, WUK, Währinger Str. 59, 1090 Wien, Nomadenkulturzelt (Benefiz)
Mi 29.07.2015: The Neatpickers: 20:30h, WUK, Währinger Str. 59, 1090 Wien
Sa 01.08.2015: Lassos Mariachis: 20:30h, WUK, Währinger Str. 59, 1090 Wien, Nomadenkulturzelt (Benefiz)

21 Juni, 2015

Kambodscha und China

Mit Asien beschäftigen sich zwei aktuelle Bücher - beide bieten interessante Einblicke, wenngleich der Zugang kaum unterschiedlicher sein könnte.

Nach Kambodscha kommen die meisten Pauschal-Reisenden nur für zwei oder drei Tage, um Angkor Wat zu besichtigen. Erik Lorenz hat sich mehr Zeit genommen, sein vor kurzem erschienenes Buch "Lesereise Kambodscha" zeigt das Land von vielen Seiten: So erzählt Lorenz von der Kunstszene des Landes, von Aussteigern auf einer Insel und von aktuellen politischen Entwicklungen in Kambodscha.
Der obligate Besuch von Angkor Wat, der zu ihrer Blütezeit größten Stadt der Welt, bleibt nicht aus. Doch wie bei den anderen Reportagen gelingt es Lorenz einen individuellen Blick auf die Szene zu werfen: Er besucht auch Müllhalden außerhalb von Siem Reap und Phnom Penh und berichtet über das Leben der MüllsucherInnen; über den Jungen In Eath, der es schafft vom Müllsammler zum Rezeptionisten eines Hotels in Siem Reap aufzusteigen. Vielleicht ist dies die stärkste der insgesamt 11 Reisereportagen, die der Picus Verlag unter dem Titel "Ein Tuk-Tuk in Angkor" zu einem lesenswerten Buch bündelt.

Das Buch "Mein Elektriker fährt einen Porsche?" von Gianni Kovačević erzählt vom längsten Trend der Menschheitsgeschichte: Von der steigenden Zahl an Menschen, die eine 'westliche' Lebensweise erreichen bzw. erreichen werden. In Dialogform unterhalten sich ein Arzt und sein Elektriker aus den U.S.A. über die Folgen, die daraus entstehen - insbesondere über den höheren Bedarf an Ressourcen und Energie.

Die Dialoge wiederholen beständig die Hauptaussagen: Dass ein steigender Energieverbrauch insbesondere mehr Bedarf an Kupfer mit sich zieht und dass dieser Bedarf vor allem in China gegeben ist. Durch die Wiederholungen wirkt das Buch manchmal geschwätzig, die Dialogform ermüdet zuweilen. Das Buch wendet sich in seinem Plauderton an unerfahrene Anleger und erspart diesen unnötiges Fachchinesisch. Apropos China: Am Ende reisen der Elektriker und der Arzt miteinander nach China und überzeugen sich vor Ort vom dort vor sich gehenden Wirtschaftswachstum und vom gesellschaftlichen Wandel. Insgesamt will das Buch einen Einblick in Emerging Markets geben und erklären - so der Untertitel - wie Sie vom längsten Trend der Menschheitsgeschichte profitieren. Der Untertitel verspricht mehr als er einhält, denn konkrete Tipps werden kaum gegeben. Es wird eher versucht, Fakten zu vermitteln, aus denen der Leser seine eigenen Schlüsse ziehen soll. Immerhin ändert der Arzt am Ende des Buches sein Leben in Richtung mehr Nachhaltigkeit - mittels Kauf von Solarpaneelen und Elektroauto. Ein interessantes Buch, das den Trend zu einem nachhaltigen Umgang mit Ressourcen unterstützt. (jpl)

Gianni Kovačević: "Mein Elektriker fährt einen Porsche?" (FBV, 8/10, mehr...)
Erik Lorenz: "Lesereise Kambodscha" (Picus, 8/10, mehr...)

08 Juni, 2015

Hot Juni News 2015

Diese Überraschung gelingt: Rocky Votolato liefert mit "Hospital Handshakes" ein rockiges Indie-Album ab, das sich auch ruhige Momente gönnt. Mit seiner eindringlichen, angenehmen Stimme drückt Votolato den Songs seinen Stempel auf und beendet diese 11-Song-Sammlung mit einem großen Song: "The Finish Line" könnte in seiner Schlichtheit auch von Bruce Springsteens Nebraska-Album stammen. Knappe Entscheidung, aber: Album des Monats und am 6. Juni live im Wiener B72 zu hören!
Mit Schaudern erinnere ich mich noch an ein Album von Molden aus früheren Tagen, das damals - um keinen Verriss schreiben zu müssen - an Kollegen weitergegeben wurde. Gute Erinnerungen dagegen an "Schwunder", das Wunderalbum von Der Nino aus Wien. Nino & Molden, kann das gut gehen? Es kann, "Espresso" von Wolfgang Ambros bleibt auch in der Neuinterpretation ein Klassiker. Man muss hoffen, dass Der Nino nicht auf musikalische Abwege gebracht wird und einfach weiterhin sein Ding macht. So ist diese CD als Ausflug zu sehen bzw. zu hören, also: Passt schon.
Im Rahmen des Festivals Vienna Blues Spring war diese Band vor kurzem im Wiener Reigen zu Gast: Deltamoon wussten mit ihrer eigenen rockigen, auf E-Gitarre und E-Bass basierenden vorwärtstreibenden Interpretation von Blues zu überzeugen. Was live wunderbar geklappt hat und das Publikum zu mehreren Zugabenforderungen trieb, ist auch auf CD ein Genuss. Kraftvoller Blues mit Rock gewürzt!
Ebenso kraftvoll war am 19. Mai der Auftritt von Son Of The Velvet Rat im Wiener Radiokulturhaus. Die Band hat sich - mit neuem Schlagzeuger - gut disponiert gezeigt und in ihr Set die Songs aus der neuen 3-Song-EP eingestreut: "Angela" erzählt die imaginierte Geschichte einer im Fernsehen gezeigten Demonstrantin. Die Songs Nummer 1 und 2 klingen unbeschwert, Song Nummer 3 ist auf die düstere Seite des Lebens gefallen, aber nicht minder großartig. Der EP-Titel "Desert Stories" ist insofern passend, als sich Frontman und Frontwoman von Son Of The Velvet Rat im August wieder in die Wüste im den westlichen U.S.A. zurückziehen - um vielleicht einige Monate später mit neuen Songs zurück zu kehren. Wir dürfen darauf hoffen!
Noch nie etwas von dieser Band gehört: Der Kern von Sacri Cuori stammt aus Italien, aber man hat sich prominente Gäste ins Studio geholt: Marc Ribot, Steve Shelley (Sonic Youth) und auch Mitglieder der mexikanischen Band Sonido Gallo Negro mischen mit. Sie alle sorgen für einen eklektizistischen, imaginären Film-Soundtrack irgendwo zwischen Ennio Morricone und Nino Rota. Großartig!
Cheryl Green liefert auf ihrem Debütalbum "Kokon" Lieder, die in Richtung ernsthafte, deutschsprachige Popmusik einzuordnen sind. Oft geht es um Liebe, Gefühle, Zweifel, Schmerz und Hoffnung ("Diese eine Nacht", "Ich suche dich", "Ich liebe"). Als Mitmusiker hat sie sich Klasse-Leute ins Studio geholt, insgesamt ist die Scheibe - trotz mittels Produktion eingefügten Farbtupfern - eher anstrengend. Kollegin Kira hat vor einigen Jahren ein ähnliches, aber etwas rockigeres und daher überzeugenderes Album abgeliefert, zweifellos am besten agiert zurzeit in diesem Kontext Andrea Schroeder.
Mit einer gekonnten Mischung aus Jazz und Bossanova punkten The Chamber Music Project mit der Frage: "Who's the Bossa?". Eine ruhige, intensive Platte ist es geworden, die bei mehreren Durchläufen nichts an Glanz verliert, sondern zuzulegen weiß. (jpl)

Deltamoon: "Low Down" (8/10)
Der Nino aus Wien/Ernst Molden: "Unser Österreich“ (6/10)
Cheryl Green: "Kokon" (5/10)
Rocky Votolato: "Hospital Handshakes" (9/10)
Sacri Cuori: "Delone" (9/10)
Son Of The Velvet Rat: "Desert Stories" (9/10)
The Chamber Music Project: "Who's the Bossa?" (7/10)

Live-Termine:
Di 09.06.2015: Martin Klein, Sargfabrik, 20h
Sa 13.06.2015: Christian Masser, 18h, Skodagassenfest, 1080 Wien
Do 18.06.2015: WUKstock, 20h, Währinger Str. 59, 1090 Wien, u.a. mit: Lassos Mariachis
Sa 20.06.2015: Magdalena Piatti, WUK, Währinger Str. 59, 1090 Wien, 21h
WUK Platzkonzerte Mi 15.7.-Fr 14.8.2015, jeweils 20:30h im WUK

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05 Mai, 2015

Hot Mai News 2015

Auf ihrem neuen Album verarbeitet Björk eine gescheiterte Beziehung. Derart gelagerte Alben kommen bei den besten Musikern vor - künstlerische Verarbeitung von Lebenskrisen ist eine durchaus legitime Annäherung an Musik. Wie nicht anders zu erwarten, ist das neue Album ein ruhiges, intensives Werk geworden. "show me emotion and respect", singt Björk mantra-artig. "our love kept me save from death" heisst es an einer anderen Stelle. Insgesamt keine leichte Kost, doch trotz etwaiger Enttäuschungen, die zu verarbeiten sind, bietet das Album auch luftig-leichte Streicher auf und schafft es so locker zur CD des Monats!
Wunderbaren Elektro-Pop-Rock liefern The Elwins mit "Plays For Keeps" ab: Die Band aus Ontario kümmert sich um keine Moden und macht einfach, was ins Ohr geht - und das sind noch immer zwingende Melodien, die glasklare Produktion besticht außerdem und vor kurzem war die Band sogar auf Tour in China. Einfach Spaß!
Anderswo, auf der Singer-Songwriter-Seite der Welt, hat sich Hadu Brand angesiedelt: Und auch wenn unter jedem Lied "Music & Lyrics by Hadu Brand" steht, sind die von Gitarre, Bass und Schlagzeug getragenen Melodien so geschickt gesetzt, dass man mitunter meint, sie schon zu kennen. Dagegen ist nichts zu sagen, Popmusik bezieht sich ja immer auf sich selbst - and will eat itself ;-)! Ob Hadu Brand Bob Dylan mag? "Er ist nicht mein Lieblingsmusiker, und auch keiner, dessen Platten ich mir ununterbrochen anhören könnte. Das wären eher David Gray, Glen Hansard oder Jeff Tweedy von Wilco.“ Insgesamt eine schön produzierte Singer-Songwriter-CD, zu der man nur gratulieren kann.
Putumayo, Teil 1: "Celtic Café" heisst ein neuer Sampler aus dem Hause Putumayo, da geben sich MusikerInnen aus Schottland und Irland die Klinke in die Hand: Von Michael McGoldrick ("Waterbound") bis Capercaillie, das ist eine der beliebtesten Bands in Schottland. Deren Stück "Him Bò" wurde von traditionals inspiriert. Kollegin Cara Dillon geht bis ins 18. Jahrhundert zurück und spielt mit "The Parting Glass" ein Stück, das meist als Abschiedslied Verwendung findet. Außerdem mit dabei: Finbar Furey, Mànran und Old Blind Dogs, um nur einige zu nennen. Ein Überblick über aktuelle keltische, traditionelle Musik, somit: Empfehlung!
Australien ist ein gefährliches Land: Nirgendwo auf der Welt gibt es eine ähnlich hohe Dichte an giftigen Tieren - aber auch sympathische Artgenossen wie den Lachenden Hans oder den Koala-Bär. Bunt ist das Land auch musikalisch, das zeigt der vorliegende Sampler, der unterhaltsame Lieder über Didgeridoos, Bumerangs und Kängurus versammelt. So ist "Australian Playground" eine Liedersammlung für die ganze Familie.
Von Australien weiter nach Afrika: Meditativen, afrikanischen Blues liefert Vieux Farka Toure auf "Mon Pays" und dank der eingängigen Melodien ist das einer der guten Releases in diesem Bereich. Vieux Farka stammt aus dem Toure-Clan, sein Vater Ali Farka Toure hat auch ein Lied beigesteuert. Aufgenommen wurde übrigens nicht in Bamako, sondern in Mainz. Klingt gut!


Dieser Mann war vor kurzem live in Wien zu sehen: Jeff Beadle. Auf "Where did we get lost" liefert er intensive Songs mit markanter Stimme, aufs Notwendigste reduziert und das sind oft Stimme und Gitarre. 9 Song in 33 Minuten, da hätten andere nur 5 bis 6 Stücke untergebracht. Der Amerikaner Beadle erinnert zuweilen an Neil Young und ist zurzeit fleissig in Europa unterwegs. Interessant. Mal sehen, was noch folgt.
Noch einmal um die ganze Welt: Der Sampler "Café del Mundo" versammelt Musik, die in jedem Café laufen könnte - egal ob im Café Concerto in Pokhara, Nepal oder in Ottakring, Wien. So stammt die Musik folgerichtig aus Europa (u.a. Gianmaria Testa), Afrika oder Lateinamerika. Und endlich ist mit dem Stück "Sinar" von Rita Lestarini auch mal Musik aus Indonesien zu vernehmen. Die aus dem Raum Frankfurt stammende Katharine Mehrling liefert mit "Beschäftigt mit dem Blues" übrigens den einzigen deutschsprachigen Beitrag.
Apropos Deutschland: Dort ist Bernhard Eder noch etwas bekannter als in Österreich, jetzt hat er ein neues Album am Start: "Nonsleeper", das sind 10 Songs in 48 Minuten, Eile ist nicht angesagt, die Lieder können sich langsam entwickeln und bedächtig - von Streichern unterstützt - ihre Wirkung erzeugen. Eder singt mit einprägsamer Stimme und das Songwriting und die Arrangements überzeugen vom ersten Track an und mit "Turn On" ist Eder ein schöner Ohrwurm gelungen - gut gemacht.
Singles werden hier selten vorgestellt, hier die Ausnahme: Blaudzun gelingt wie Bernhard Eder mit "Hollow People" - aus seinem Glitterhouse-Release "Promises Of No Man's Land" - eine Nummer, die sich sofort im Ohr festsetzt: Groß gedachter und breit produzierter Pop für die überdimensionale Leinwand. Für solche Hymnen wissen sonst Kosheen zu sorgen, well done!
Die Stärke und Schwäche des Albums von Mittekill ist die Vielseitigkeit: Einmal kommt da eine Klavierballade, dann wieder Disco-Pop, dann dröhnen die Indie-Gitarren - die Jungs machen, was ihnen Spaß macht und zuweilen springt der Funke auch über ("Chinaimbiss Berlin"), zum Teil hat das Album aber auch Längen.
Trotz des scheinbar sperrigen Themas ist "Die Value Investor Ausbildung" von Guy Spier ein gut geschriebenes, zum Teil sogar unterhaltsames Buch. Darin beschreibt Spier seine persönliche Wandlung vom Trader an der Wallstreet zum Investor. Spier beschönigt eigene Schwächen und Fehler nicht, so ist sein Buch mehr als noch ein Schmöker zum Thema Börse. Es ist vielmehr ein philosophisches Buch, das Lebensweisheiten versammelt, die auch in Bezug auf die Wallstreet anwendbar sind - ein ungewöhnlicher und lesenswerter Ansatz. Highlight des Buches ist sicherlich die Beschreibung eines um 650.100 US-Dollar ersteigerten Essens mit dem Investor Warren Buffett - das Geld wird übrigens für einen guten Zweck eingesetzt. (jpl)

Jeff Beadle: "Where did we get lost" (7/10)
Björk: "Vulnicura" (9/10)
Blaudzun: "Hollow People" (8/10)
Hadu Brand: "Pink Nose Ring" (7/10)
Bernhard Eder: "Nonsleeper" (8/10)
The Elwins: "Plays For Keeps" (7/10)
Mittekill: "All but bored, weak and old" (6/10)
Guy Spier: "Die Value Investor Ausbildung" (8/10)
VA: "Australian Playground" (7/10)
VA: "Café del Mundo" (8/10)
VA: "Celtic Café" (8/10)
Vieux Farka Toure: "Mon Pays" (8/10)

Live-Termine:
Do 07.05.2015: Unii, Verein08, Piaristengasse 60, 1080 Wien, 20h
Do 07.05.2015: Bunkerei, Obere Augartenstraße 1 / 1020 Wien/ Doppelkonzert Martin Klein solo / Bulut /20h
Fr 8.5. und Sa 9.5.2015: Wean Hean, Wiener Welle, jeweils, 19h, Ottakringer Brauerei, 1160 Wien: Musik, Literatur und Kulinarik aus Wien
Mo 11.05.2015: Wean Hean, 19.30h, theater akzent: LA WIEN EN ROSE
TIPP: Do, 14.05.2015: CHUCK PROPHET & THE MISSION EXPRESS (USA) im Chelsea (Wien) VVK: 18,-/AK: 20,-
Nach vier fantastischen Gigs 2009/10/12/13 kommt der Gitarrengroßmeister und Songwriting-Gigant CHUCK PROPHET wieder ins Chelsea. Sein aktuelles Album „Night Surfer“ (Yep Roc/Trost) ist nach den guten, aber doch etwas gleichförmigen Longplayern der letzten Jahre wieder deutlich aufregender und intensiver ausgefallen. Wer Chuck und den kongenialen Mission Express noch nie live gesehen hat, sollte sich diesen Gefallen heute tun.

Sa 16.05.2015: Erstes Wiener Heimorgelorchester, CD-Präsentation, Theater im Bahnhof, Graz, 20h
Do 21.05.2015: Oyster Band, Sargfabrik, Wien, 20h
Fr 28.05.2015: Laura Rafetseder, Heureka, Skodagasse 17, 1080 Wien, 20h

Alle Termine von Lindo-Acts: hier

22 April, 2015

20 Jahre Erstes Wiener Heimorgelorchester - neue CD und Buch

Zum zwanzigjährigen Bestehen des Erstes Wiener Heimorgelorchesters erscheint das Album HAPPY LAMENTO, das aus drei Teilen besteht. Zum einen gibt es neue Songs, vor allem das hitverdächtige Wurst-Käs-Szenario. Zweitens setzt die Band ihre Reihe von Vertonungen zeitgenössischer Dichter fort: Andreas Okopenkos Ich liebe nur mehr meinen Siamkater aus dem berühmten Gedichtband Warum sind die Latrinen so traurig ist ebenso vertreten, wie Texte der jungen Autorinnen Pia Hierzegger und Barbi Marković. Und drittens erscheinen drei ganz neue Versionen bereits veröffentlichter Songs, darunter der Titelsong Happy Lamento, der nun erstmals mit Lyrics interpretiert ist. HAPPY LAMENTO untermauert einmal mehr die ästhetische Konsequenz und Eigenwilligkeit des Heimorgelorchesters, zeigt aber auch, dass die Band immer neue Stile auslotet und zu den ihren macht. Die Qualität der Songtexte ist auch auf diesem Album wieder herausragend, weshalb zur gleichen Zeit ein Buch mit dem Titel Widerstand ist Ohm erscheint, das die Lyrics aller je erschienenen Songs des Heimorgelorchesters versammelt.

Live:
Do 23.04.2015 brut, Lothringerstr. 20, 1030 Wien, 21h
Sa 25.04.2015: Cafe Mocca, 1180 Wien, Gersthofer Straße 2a, 20h
Sa 16.05.2015: Theater im Bahnhof, Graz, 20h

>> Weitere Infos

01 April, 2015

Hot News April 2015

Alle Jahre wieder im April und Mai passiert in Wien das Festival "Wean Hean", an dessen Namensgebung einst der Musiker Roland Neuwirth beteiligt war. Ab 16. April 2015 ist es wieder soweit: Beim Eröffnungsevent in der Loft City Brotfabrik – der ehemaligen Anker Expedithalle – sind unter anderem die Barbara Bruckmüller Big Band, die Wiener Tschuschenkapelle und Martin Spengler und die foischn Wiene zu hören. Die Barbara Bruckmüller Big Band kommt mit ihrer neuen CD "Mei Muatterl war a Weanarin" zum Festival. Eine wahre Aussage, die Pianistin ist gebürtige Wienerin, das Cover zeigt ihre Großmutter und Mutter in einer historischen Schwarz-Weiß-Aufnahme. Neben dem Titelstück präsentiert die CD Lieder wie "Der alte Sünder", "Heut' kemmen d'Engerln auf Urlaub nach Wean" und den Gerhard Bronner-Klassiker "Der g'schupfte Ferdl". An weiteren Abenden folgt die Auseinandersetzung mit dem Komponisten Walter Jurmann, der einst in die USA emigrierte, um nie mehr nach Wien zurück zu kehren. In Hollywood schuf Jurmann u.a. Musik zu Filmen von den Marx-Brothers. Ebenfalls zu empfehlen: Im Akzenttheater findet am der Abschlussabend am 11. Mai statt, Motto: “la wien en rose” bzw. Chanson – Paris – Wien. So unterschiedliche Musiker wie Krzystof Dobrek, Vasiliki Roussi und das Diknu Schneeberger Trio werden diesen Abend gestalten. Hingehen!
Von Wien nach Afrika: Die CD "The Paris Sessions" des The Touré-Raichel Collective bildet eine Zusammenarbeit zwischen dem israelischen The Idan Raichel Project und Musikern aus dem Touré-Clan, Vieux Farka Touré und Daby Touré sowie Abdourhamane Salaha. Ein wunderbarer Ekklektizismus ist das Ergebnis, wer immer die Idee hat afrikanische Wüstensounds mit dem Sound der Israelis zu verschmelzen, ist richtig gelegen. Die Symbiose funktioniert, mal überwiegen die Rhythmus-Instrumente (Tourés et al.), mal der ganz eigene Raichel-Project-Sound, der die Band zu einer der beliebtesten ihres Landes gemacht hat – ein großartiger Release aus dem Hause cumbancha.
Das Smithsonian Institute gibt auf seinem hauseigenen Non-Profit-Label Folkways Recordings kontinuierlich CDs heraus, die sich mit US-amerikanischer Geschichte beschäftigen. Jüngst: Die CD “New Orleans Brass Bands – Through The Streets Of The City” entführt den Hörer nach New Orleans und belässt ihn für mehr als eine Stunde dort. Ja, French Quarter, ja Blechbläser, ja historisch, aber auch: Gelungene Hinwendungen in Richtung Funk und Hip-Hop.
Zwischen Jazz und Latin siedeln Rasgueo ihre CD Waterfall an. Genauer: Flamenco heisst die Stoßrichung der Band um dem Gitarristen Nikos Tsiachris und den Trompeter Martin Auer, die von Berlin aus agiert. Ein entspanntes Werk, plätschernd wie ein Wasserfall.
Ein mutiges Projekt: Auf der CD ”My Poet’s Love” nähern sich Mathias Rüegg und Lia Pale insbesondere Heinrich Heine und Rainer Maria Rilke an. Anstatt der ewigen Springsteen-Übertragungen ins Deutsche (*gähn*) wird der Spieß einfach umgedreht und die Texte werden ins Englische übertragen (*ilike*). Drei eigene Stücke ergänzen die CD auf insgesamt 16 Stücke. Das eine oder andere Outtake hätte die Scheibe kompakter gemacht, dennoch: Well done!
Frische Klänge aus Portugal: Die hochgelobte Gruppe OqueStrada erfüllt mit ihrem neuen Album Atlantic Beat – Mad'in Portugal” die Erwartungen und zeigt sich verspielt bis traditionell. Der Beat ist filigran, aber funktioniert, Marta Mirandas Stimme ist klar und stellt sie neben Cristina Branco in die erste Reihe aktueller Sängerinnen aus Portugal. Mit OqueStrada kann man wie einst die portugiesischen Seefahrer zu neuen (musikalischen) Ufern aufbrechen. Auf Festivals in halb Europa hat die Band schon für Begeisterung gesorgt, bald – nämlich am 14. April in der Sargfabrik – auch in Österreich. CD des Monats!
Zum Abschluss geht es noch hoch hinauf: Der Putumayo-Sampler “Music Of The Andes” setzt sich auf gewohnte Weise mit der Region auseinander und versammelt aktuelle Beiträge aus Bolivien, Argentinien, Peru und Ecuador. Klassiker wie “Peregrino De Tu Cielo”, “A La Huella”, “El Condor Pasa” und “Caballo Viejo” dürfen natürlich nicht fehlen. Musik aus den Anden war bis in die 1960er-Jahre kaum bekannt, erst Simon & Garfunkel haben mit ihrer “El Condor Pasa” die Basis für weltumspannende Bekannheit gelegt, die Straßenmusiker folgten. Muy bien! (jpl)

Barbara Bruckmüller Big Band: "Mei Muatterl war a Weanarin" (7/10)
Lia Pale: “My Poet’s Love” (7/10)
OqueStrada: “Atlantic Beat – Mad'in Portugal” (9/10)
Rasgueo: “Waterfall” (7/10)
Sierra Leone Refugee Allstars: "Radio Salone" (8/10)
The Touré-Raichel Collective: "The Paris Sessions" (10/10)
VA: “Music Of The Andes” (9/10)
VA: “New Orleans Brass Bands – Through The Streets Of The City” (10/10)

Termine:
Mo 13.04.2015: Delta Moon, Reigen, 20h: viennabluesspring.net
Di 14.04.2015: OqueStrada, Sargfabrik, 20h, Wien
"wean hean"-Festival: 16.4. bis 11.5.2015: www.weanhean.at

Do 16.04.2015: Thomas Andreas Beck & Band, Schutzhaus zur Zukunft, Auf der Schmelz Verlängerte Guntherstraße, 1150 Wien, 20h: Karten
Do 23.04.2015: CD-Präsentation: Erstes Wiener Heimorgelorchester, brut, 20h, Wien
>> Karten
Sa 25.04.2015: Erstes Wiener Heimorgelorchester, Cafe Mocca, 1180 Wien, Gersthofer Straße 2a, 20h
Fr 01.05.2015: The Wichita @ Heureka, Skodagasse 17, 1080 Wien, 20h


Alle Lindo-Acts live: hier

25 März, 2015

Dalai Lama: Ratschläge des Herzens

In diesen Tagen – am 10. März - jährt sich die Okkupation Tibets durch China im Jahr 1959. Wenige Tage nach der Besetzung des Landes, geht der Dalai Lama, das geistige Oberhaupt der TibeterInnen, ins Exil. Matthieu Ricard hat den Dalai Lama mehrmals gesprochen und seine Ansätze zu verschiedenen Lebensfragen aufgezeichnet.

Vor einigen Monaten ist das Buch "Ratschläge des Herzens" erschienen, in dem der Dalai Lama einfache Anleitung zum gelungenen Leben gibt. Die Kapitel richten sich an alle Menschen, thematisieren verschiedene Lebenssituation und heißen: "An alle, die glücklich sind", "An die Pessimisten", "An alle, die von Ängsten geplagt werden" bzw. "An alle, die traumatische Erfahrungen gemacht haben". Aktuelle Anknüpfungspunkte sind somit leicht zu finden.

Die richtigen Worte

Oder: "An alle, die anderen Religionen gegenüber offen sind". Eine Offenheit, die man heute eher wünscht denn konstatiert. Die Titel der Kapitel scheinen banal, doch der Dalai Lama trifft wieder und wieder den Nagel auf den Kopf und findet die richtigen Worte. Etwa wenn er den Pessimisten sagt: "Halten Sie sich immer vor Augen, dass die Welt aus guten und schlechten Dingen besteht und dass das, was wir für die Wirklichkeit halten, ein Produkt unseres Geistes ist."
Ein zeitloses Buch für alle, die sich mit sich selbst und der Welt auseinandersetzen wollen. (jpl)

Dalai Lama: Ratschläge des Herzens (Diogenes, 208 Seiten)
>> www.diogenes.ch
>> Interview mit dem Dalai Lama

20 März, 2015

Gigs, gigs, gigs!

Ripoff Raskolnikov & Band spielen am 20.3. im Muzikum in Budapest. Oder man begibt sich ins Heureka und lauscht am 20.3. Laura Rafetseder. Kollege Christian Masser ist zwei Tage später im Cafe Ceentral in Graz zu sehen. Am Sonntag den 22.3. findet das 16. Internationale Akkordeonfestival in Wien seinen Abschluss: Im Rahmen einer groß angelegten Gala im Metropol spielt das DAS ZIEHHARMONISCHE ORCHESTER WIEN (SI/UA/AT), rund um Mastermind Otto Lechner, auf. Tagsüber kann man sich ebenfalls von Akkordeonklängen verwöhnen lassen, um 13h wird Stummfilmmusik live gefertigt (Filmcasino).

Am 25.3. geht die Reise weiter nach Mödling zu T.A. Becks Konzerttalkshow: „Die erste Show im Oktober 2014 hat die Besucher begeistert und fasziniert “, sagt Thomas Andreas Beck. Sein Talk-Gast war damals der verunglückte "Wetten Dass?"-Kandidat Samuel Koch. T.A. Beck ist Coach und Musiker. Mit der "Konzert Talkshow" hat er ein Format entwickelt, das Liedermacherkonzert, Talkshow und Motivationsevent miteinander verbindet. Auch in die nächste "Konzerttalkshow" hat sich T.A. Beck einen Gast mit einem besonderen Lebensweg eingeladen: Den von Geburt an blinden Bergsteiger Andy Holzer, der bald nach Nepal aufbrechen wird. Sein Ziel: Der Mount Everest!

Do 26.3.: The Neatppickers live

Am Donnerstag den 26.3. spielt die Country-Combo der Stunde im Fania auf: The Neatpickers. Dies ist das erste Konzert nach der ausverkauften Release-Show in der Wiener Sargfabbik und die Band hat ein akustisches Set dafür erarbeitet. Anschließend verlegen DJ Kerido und DJ Rob71 das Beste, was die Plattenkiste hergibt.

Noch ein Tipp: Von 20. März bis 30. April findet in Wien das Festival "Vienna Blues Spring" statt, u.a. spielen: Delta Moon, Zakiya Hooker, Duke Robillard, Hans Theesink, Bernard Allison, Alfredo Garcia-Navas Band und Norbert Schneider. (jpl)

>> The Neatpickers
>> Akkordeonfestival
>> Thomas Andreas Beck
>> Vienna Blues Spring

18 März, 2015

Veronica Sbergia & Max de Bernardi in Wien

Das aus Italien stammende Duo Veronica Sbergia und Max de Bernardi hat gestern zum ersten Mal in Wien gespielt. Zumindest als Duo, denn in anderen Besetzungen waren die beiden schon hier. De Bernardi hat unter anderem schon gemeinsam mit Tom Russell in Wien gastiert.





Mit Interpretationen von Blues und Rhythm'n'Blues-Stücken und Klassikern der Countrymusic haben die beiden zu begesitern gewusst. Einerseits durch ihre sympathische Bühnenpräsenz, andererseits durch die Wahl der Instrumente: Sbergia spielt Waschbrett, Kazoo, Ukulele und ihr Kollege De Bernardi greift gerne zu National Resophonic Gitarren. Überhaupt spielt De Bernardi virtuos jede Art von Zupfinstrument zwischen Ukulele, Mandoline und Gitarre. Beide singen - z.B. Lieder aus der empfehlenswerten CD "The Mexican Dress" - und wissen das Publikum mit ihren Zwischtentexte, die in einer Doppelconference passieren, humorvoll zu unterhalten. Molto bene!
Wer die beiden im local verpasst hat: Am Donnerstag den 19.3. spielen die beiden noch ein Mal in Wien! Hingehen!

Do 19.3.2015: Veronica Sbergia & Max de Bernardi
Gemischter Satz/Weinbar, Cobenzlg. 4, 1190 Wien, 20h

(Foto: lindorec.blogspot.com)

14 März, 2015

"Angry Young Men" im Theater Nestroyhof

Sechs Männer auf der Bühne. Pur, wütend, verzweifelt. Wie seine eigene Position finden in einer ungeordneten Welt? In der nicht einmal die Butter so ist, wie sie mal war. Darüber geraten die Figuren in „ Angry Young Men“ schon mal in Rage.






Sie sagen dabei Sätze von realen angry young men: Etwa von 9/11-Attentäter Mohammed Atta oder von RAF-Terroristen - oder von Joseph Goebbels. Die Zitate belegen aufgestaute Wut, Aggression, Unzufriedenheit. Seit jeher der Nährboden für Radikalisierung, insbesondere von jungen, alleine gelassenen Menschen, deren Wertsystem instabil ist. Da bleibt oft nur mehr der Rückbezug auf den eigenen Körper.

Zorniger Kraftakt

Folgerichtig lässt Regisseur Martin Gruber seine Schauspieler schwitzen, Turnübungen machen und am Ende - nachdem sie ausgiebig wütend waren - dürfen sich die Zornigen auf der Bühne hinlegen wie Soldaten nach dem Kampf und bekommen eine Massage verpasst! Trotz des programmatischen Titels sind diese jungen Männer weniger wütend als die sich auskotzende Hauptfigur in Peter Handkes ‚Untertagblues’.

Glaubwürdig und professionell

Dennoch: Die jungen Schauspieler agieren glaubwürdig, das Stück ist professionell gebaut. Noch bis Mitte Mai kann man diesen Kraftakt im Theater Nestroyhof sehen, zu dem Andi Dauböck, eine Hälfte von Ash My Love, die Musik live auf der Bühne umsetzt. (jpl)

Sa 14.3. - So 15.3.2015, Do 14.5.- Sa 16.5.2015 jeweils 20:00 Uhr Theater Nestroyhof - Hamakon, Nestroyplatz 1, 1020 Wien, 20h, karten@aktionstheater.at
>> www.hamakom.at

09 März, 2015

25. März: Andy Holzer zu Gast in „Thomas Andreas Beck's Konzerttalkshow“

„Die erste Show im Oktober 2014 hat die Besucher begeistert und fasziniert “, sagt Thomas Andreas Beck.
Sein Talk-Gast war damals der verunglückte "Wetten Dass?"-Kandidat Samuel Koch. T.A. Beck ist Coach und Musiker. Mit der "Konzert Talkshow" hat er ein Format entwickelt, das Liedermacherkonzert, Talkshow und Motivationsevent miteinander verbindet. Auch in die nächste "Konzerttalkshow" hat sich T.A. Beck einen Gast mit einem besonderen Lebensweg eingeladen: Den von Geburt an blinden Bergsteiger Andy Holzer, der wenige Tage später nach Nepal aufbrechen wird. Sein Ziel: Der Mount Everest - die höchsten Berge der anderen Kontinente hat Holzer schon alle bestiegen. Das Publikum kann sich auf zwei lustige, ernste und faszinierende Stunden Konzerttalkshow freuen. "Menschen wie Andy Holzer sind die wirklichen Vorbilder. Wir können so viel von ihnen lernen", so T.A. Beck.

>> www.thomasandreasbeck.at

Do 25.3.2015, 20:00 - 22:00 Uhr: Thomas Andreas Beck's Konzerttalkshow
Stadtgalerie Mödling, Kaiserin Elisabeth-Straße 1, 2340 Mödling
Gast: Andy Holzer, Musik, Talk
Karten: karten@dieStadtgalerie.at
Kartentelefon: 0660/8234010
>> www.dieStadtgalerie.at bzw.
>> Ö-Ticket

26 Februar, 2015

12. FrauenFilmTage

Heute beginnen die 12. FrauenFilmTage, sie finden vom 26.2. bis 5.3.2015 in Wien statt. Die Eröffnung steigt traditionell im Filmcasino, ab Freitag den 27. Februar ist wieder das Filmhaus Kino am Spittelberg das Zentrum dieses Festivals.

Der Film "Das Mädchen Hirut" beruht auf einer wahren Geschichte: In der Nähe von Addis Abbeba (Äthiopien) wird die 14-jährige Hirut Assefa (Tizita Hagere) auf dem Heimweg von der Schule von einem älteren Mann entführt und vergewaltigt. Die Anwältin Meaza Ashenafi (Meron Getnet) hat eine Organisation gegründet, die Frauen und Kindern in Not kostenlosen Rechtsbeistand leistet. Sie übernimmt den schwierigen Fall der jungen Hirut und gewinnt. Der Film wurde von der Schauspielerin und UN-Botschafterin Angelina Jolie mitproduziert. Er wurde mehrfach ausgezeichnet, etwa mit dem „Publikums­preis für den besten ausländischen Film“ auf dem Sundance Festival und auf der Berlinale 2014 mit dem „Panorama Publikumspreis“.

Thema: Abtreibungsgesetze

Zum Film "Vessel": Entsetzt über die Realitäten, welche Anti-Abtreibungsgesetzgebungen schaffen, hatte die Ärztin Rebecca Gomperts eine Idee: Abtreibungen auf einem Schiff in internationalen Gewässern. Ihr Projekt Woman on Waves beginnt mit einem spektakulären Medienrummel. Sie sieht sich jedoch rasch konfrontiert mit gesetzlichen Hürden, religiösen WidersacherInnen und Regierungs- und Militär-Blockaden.
Wie schon in den letzten Jahren kooperiern die FrauenFilmTage auch heuer wieder mit dem Programmkino Wels, dort gibt es einen eigenen filmischen Schwerpunkt zu sehen sowie mit dem Cinema Paradiso in St. Pölten. Auch heuer gibt es eine Personale: Sie widmet sich der Filmherstellung, dem Szenebild und der Arbeit von Katharina Wöppermann. An drei Abenden wird ein Film mit anschließendem Publikumsgespräch zum Thema verabreicht. (jpl)

>> Programm 12. FrauenFilmTage

25 Februar, 2015

Hot News März 2015

Ist Ihnen das auch schon mal passiert? Man pult die ganz neue CD aus dem Plastik und - die lässt sich nicht abspielen! Also, zur nächsten Scheibe. Überraschung: Die funktioniert sogar. Samba Touré liefert mit "Gandadiko" den Beweis, dass es in der afrikanischen Pop-Szene offenbar einen Trend gibt, der weg von den fröhlich-beschwingten Liedern früherer Zeiten und hin zum Blues führt. Gerne wird das dann auch "Wüstenblues" genannt. Touré ist zwar nicht ganz so raffiniert wie Tinariwen, aber die Zeit des Wartens auf die nächste Tinariwen verkürzt der Musiker aus Mali tadellos.

Dass Skandinavien die Herkunftsregion guter Popmusik ist, weiß man nicht erst seit A-ha ("The Sun Always Shines On TV"): Die norwegische Band Katzenjammer stellt sich freilich mehr in eine Richtung, die dem Folk verbunden ist und beginnt ihr Album mit Banjo-Klängen. Das ist nicht Süd-Schweden, das hier anklingt, das sind eher die Süd-Staaten. Gekonnt wird die Brücke in Richtung Pop geschlagen, so ist Katzenjammer gleichsam am Puls der Zeit und "Rockland" CD des Monats.
Im zweiten Anlauf funktioniert Stephanie Nilles' "... takes a big ship" schließlich doch. Das markante Vibrato in Nilles' Stimme ist jedes Mal von Neuem etwas gewöhnungsbedürftig, hat man diese Hürde übersprungen, wird man mit bester Musikqualität konfrontiert. Irgendwo zwischen Jazz und Blues siedelt die junge Amerikanerin ihre Songs an, vor kurzem war sie im Rahmen des Akkordeonfestivals in Wien, aber dazu später.
Beachtlich ist, was der Pianist Michael Langoth auf "drei" abzieht: Als Langoth geht das Kollektiv, das auch Carl Avory als Sänger bei drei Nummern - nomen est omen - featured, einerseits Pfade, die zur Abzweigung Jazz führen. Andererseits verwenden Langoth auch Latino-Einsprengsel, was das Werk - an dem drei Jahre lang gefeilt und aufgenommen wurde - abwechslungsreich macht.
Damit endgültig zu den Live-Tipps: Schon am 1. März ist Mark Lanegan in der Szene Wien zu Gast, gleich am nächsten Tag ebendort Kinky Friedman, supported von Schneida. Friedman tourt am 3. März weiter nach Graz und lässt sich dort von Lindo-Act-Christian Masser unterstützen. Ebenfalls sehenswert: Im Rahmen der Reihe “25 Jahre Aktionstheater Ensemble” hat am 11.3. das Stück “Angry Young Men” Premiere, im Theater Nestroyhof um 20h.
Und natürlich läuft in Wien zurzeit das Akkordeonfestival, bei dem man jedes Konzert empfehlen kann – zum Beispiel am 28.2. Hiss (D), am 4.3. Cathrin Pfeifer (D), am 9.3. Moxie und die kanadische Band Reveillons! sowie die Stammgäste Bratsch (F, 10.3.). Über welches Festival kann man das schon sagen? Eben, hingehen! (jpl)

Live-Tipps:
So 1.3.2015: Mark Lanegan, Szene Wien, 20h
Mo 2.3.2015: Kinky Friedman, Szene Wien, 20h
Di 4.3.2015: Cathrin Pfeifer, Karat Apart, Kosmos, Siebensterng. 42, 1070 Wien, 20h
Do 5.3.2015: Tim Easton, local, 1190 Wien, 20h, hier 1 Song
Sa 7.3.2015: Wiener Blond, CD-Präsentation, Aera, 20h
Do 12.3.2015: Geoff Berner, Akkordeonfestival, Reigen, 1140 Wien, 20h
Fr 13.3.2015: Christian Masser, Headquarter, Wien, 20h
Mo 16.3.2015: Magdalena Piatti, Kulisse, 20h
Ab Fr 20.3.2015: VIENNA BLUES SPRING, alle Infos dazu: hier
Do 26.3.2015: Lindo Music Night: The Neatpickers, Fania, Gürtelbogen 22+23, 1080 Wien, 21h

Akkordeonfestival: Alle Termine
Alle Live-Termin von Lindo-Acts findet man: hier (jpl)

Katzenjammer: "Rockland" (8/10)
Langoth: "drei" (7/10)
Stephanie Nilles + Zach Brock & The Magic Number: "... takes a big ship" (8/10)
Samba Touré: "Gandadiko" (7/10)

16 Februar, 2015

Hot News Februar 2015

Klar: Früher Bob Dylan hat unter Traditionals seinen eigenen Namen geschrieben und die Autorschaft für sich reklamiert. Auf dem aktuellen Dylan-Album "Shadows In The Night" wäre dies nicht möglich, hier covert Dylan doch ganz offiziell einst von Frank Sinatra interpretierte Lieder. Lustigerweise lässt Dylan den von Paul Anka geschriebenen Sinatra-Evergreen "My Way" aus. Für diese Entscheidung haben vermutlich ein halbes Dutzend Major-Label-MitarbeiterInnen einige Sitzungen verschwendet. Schade, genau das hätte den Nicht-Fan interessiert - wie interpretiert Dylan einen Klassiker? Immerhin ist "Lucky Old Sun" mit dabei und funktioniert gut. Dylans Stimme nähert sich im Alter immer mehr den imaginierten verrauchten Bars eines Tom Waits an. So ist es ein croonendes Album geworden, ein Album als Fingerübung eines alten Mannes, der eigentlich schon alles erreicht hat und nur noch aus Lust und Laune weitermacht oder weil er einfach nicht anders kann.
Kontraste schärfen bekanntlich den Blick auf die Welt. Dieser Kontrast könnte kaum schärfer ausfallen: Die EAV legt nun, gefühlte 30 Jahre nach "Go, Karli Go", ein neues Album vor - "Werwolf-Attacke". Und so viel hat sich seitdem nicht verändert. Noch immer ist das Artwork mit lustigen Zeichnungen geschmückt, noch immer machen Eberhartinger/Spitzer diese lustigen Reime, bei denen sich eben alles reimt. Die spitzerische-spitzbübische Freude, die das Texten möglicherweise noch immer macht - oder ist es auch nur eine Fingerübung, siehe unter: Dylan, Bob - ist auf CD gepresst freilich nicht so recht zu spüren. Mag sein, dass diese Band stets mehr eine Live- denn eine Studio-Band war. Ebenfalls wie seit jeher gibt sich die Band politisch, in den Texten geht es somit um die Scharia und die Monsters Of Trachtenball (schöner Titel, oderrr Herrr Gaballlier?). Man fragt sich freilich wie kritisch daherkommende Texte mit dem Blödel-Ansatz der Band zusammen gehen soll. Die Frage ist freilich beantwortet: Die EAV und deren zahlreiche Fans werden das wohl wissen und Erfolg gibt schließlich immer Recht. Seit 6. Februar befindet sich die EAV auf einer rund zweieinhalb Monate dauernden Welttournee durch das deutschsprachige Europa.
Ihre erfolgreichsten Zeiten hat Melissa Etheridge in den späten 1980er und frühen 1990er-Jahren erlebt. Nun legt sie ein - sicher von wenigen erwartetes - neues Album vor und reiht sich mit "This is M.E." in die Riege damals erfolgreicher Sängerinnen ein, die es noch einmal wissen wollen: Suzanne Vega oder Penelope Houston haben in den letzten Jahren bereits vorgelegt. In einer anders strukturierten Hitparaden-Landschaft würde es Etheridge wieder in die Top 10 schaffen. Hier ist eine Profimusikerin am Werk, die mit diesem Album neue Fans hinzugewinnen könnte.
Ja, es war ein knappes Rennen: Melissa Etheridge ist stark gestartet und hat alles richtig umgesetzt. Normalerweise eine klare Sache. Wäre da nicht die CD "Bones + Longing" der irischen Sängerin Gemma Hayes - Hayes setzt noch mehr als auf ihrer letzten CD auf eine Mischung aus Pop-Appeal und Versponnenheit, die wunderbar gelingt und einen in ihren Bann zieht. Nicht so zurückgenommen wie Kollegin Björk, aber zu der kommen wir demnächst. Tolle Sängerin, interessante Songs, anders gesagt: Album des Monats!
Der aus Gabun, Westafrika stammenden Sängerin Razia wurde vom Label cumbancha eine weltumspannende Produktion verpasst: Aufgenommen wurde in Brooklyn und auf Madagaskar, gemastert in Sydney. Jetzt scheint Razia bereit die Welt zu erobern. Mit ihrer raffinierten Mischung aus afrikanischen Rhythmen und Hooklines, durchsetzt mit chansonartigen Ansätzen, könnte das durchaus gelingen. Einfach auf replay drücken bzw. in die playlist aufnehmen.
Vier Katzenköpfe am Cover, vier Songs und das Thema ist auch klar: "4 Season" nennt Kidcat Lo-Fi ihre aktuelle EP. Sympathisch werden hier übliche Positionen gegen das Katzenfell gebürstet: Der Sommer wird nicht gemocht und der Winter geliebt. File under: Indie-Pop mit Vintage-Faktor in Richtung Sixties.
Ruhig geht es der Putumayo-Sampler "Yoga" an, zur Entspannung somit bestens geeignet, zwischen all den Konzerten der nächsten Wochen. Daher folgen nun die Live-Tipps: Am 26. Februar spielen Ángela Tröndle und Renate Hornstein im Club Fania, im ersten Teil der Veranstaltungsreihe Lindo Music Night, los geht es um 21h, anschließend legen DJ Rob71 und DJ Kerido auf. Schon am 19.2. spielen My Darling Clementine in der Sargfabrik und am 21.2. findet im Wiener Rathaus der so genannte Flüchtlingsball statt. Lindo-Act Katrin Navessi spielt am Freitag den 27.2. im Heureka, Beginn: 20h.
Auch das 16. Wiener Akkordeonfestival ist bereits im Anmarsch, am 21. Februar geht es los, bis 22. März steht ganz Wien wieder im Zeichen der weißen und schwarzen Tasten! Dieses Mal unter anderem mit dabei: Cathrin Pfeifer, Die Goas, Radio Europa, Die Quetschenweiber, Karl Hodina, Hiss, Birds Of Vienna, Moxie und alte, lieb gewonnene Stammgäste wie Dobrek Bistro und Bratsch aus Frankreich!
>> www.akkordeonfestival.at
Alle Live-Termin von Lindo-Acts findet man hier: Termine (jpl)

Live:
Do 19.2.2015: My Darling Clementine, Sargfabrik, 20h
Sa 21.2.2015: Flüchtlingsball, Wien, Rathaus, 20h
Di 24.2.2015: The Tiger Lillies, Szene Wien, 20h
Do 26.2.2015: Ángela Tröndle und Renate Hornstein, Fania, Gürtelbogen 22+23, 21h, anschl. DJ Rob71, DJ Kerido

Bob Dylan: "Shadows In The Night" (7/10)
Melissa Etheridge: "This is M.E." (9/10)
EAV: "Werwolf-Attacke" (5/10)
Gemma Hayes: "Bones + Longing" (10/10)
Kidcat Lo-Fi: "4 Season" (7/10)
Razia: "Akory" (8/10)
VA: "Yoga" (7/10)